Wenn alles grau in grau ist …

Wenn die Welt um Sie herum düster wird. Wenn es keine Perspektive mehr gibt, nichts mehr einen Sinn ergibt und Sie keinen Ausweg sehen. Dieses Gefühl der vollständigen Einsamkeit. Niemand da. Wirklich niemand. Ganz allein auf diesem Planeten. Nichts und niemand ist mit mir verbunden. Wozu hier leben, wenn mich niemand versteht?
So etwa fühlte sich die Situation einer Klientin an, die eines Tages in meine Praxis kam. Sie wollte nichts mehr tun. Sich nicht noch einmal auf etwas einlassen, schon gar nichts Neues kennenlernen. Nein, sie wollte nicht mehr.
Sie hatte aber gute Freunde. Die wollten nicht zusehen, sie wollten ihr beistehen. Und sie überredeten sie schließlich, es doch noch einmal zu versuchen und der Sache eine Chance zu geben. Sie war ihnen wichtig. Also ging sie mit. Widerwillig, nur für die anderen. Sie hatte nicht die geringste Hoffnung. Ihrer Meinung nach hatte sie ohnehin schon alles getan. Und dann so etwas: Klopfen. Nein, das konnte sie sich nicht vorstellen.
Aber ihre Freunde gaben nicht auf. „Schau dir das doch an, diese Klopftechnik. Das ist nicht so, wie du denkst. Das ist irgendwie anders. Probier es doch, mir hat es gutgetan. Was hast du schon zu verlieren? Schlimmer kann es doch gar nicht mehr werden."
Dann gab sie ihren Widerstand auf. Dem Freund zuliebe kam sie mit, weil er es so gerne wollte. Und sie dachte: Gut, ich tu ihm den Gefallen. Ich kann es ja jederzeit wieder sein lassen.
Der erste Besuch in der Praxis. Fremd, merkwürdig, distanziert. Was soll das? Das Gefühl „mir kann doch keiner helfen“ war so dominant. Keine Erwartung, nur die tiefe Überzeugung: Mir kann nichts und niemand helfen. Dann dieser kleine Raum. Das erste Gespräch, ein erstes Herantasten. Klopfen als Mittel, das Leben zu ändern — echt jetzt? Eine merkwürdige Erklärung, kann ich mir nicht vorstellen. Gut, ich kann es mir ja anschauen. Ich klopfe halt einfach. Eine erste Runde.
Und dann die Überraschung. Das Unerwartete. Das nicht mehr für möglich Gehaltene. So einfach, so leicht, so plötzlich. Eine Tür ging auf.
Nach der allerersten Klopfrunde hielt die Klientin inne. Sie konnte den Unterschied bemerken, deutlich wahrnehmen, dass Veränderung stattfand. Leicht und unerwartet. Ihr Körper hatte reagiert, hatte sich ein wenig entspannt, hatte sich ein wenig auf die Vorgangsweise eingelassen. Und damit begann alles.
Jetzt wusste sie: Da gibt es noch etwas, auch für sie. Und alles kann sich verändern. Auch das, was bisher als unveränderbar galt, als in Stein gemeißelt, es kann entmachtet und losgelassen werden.
Eine Tür ging auf, und die Wirklichkeit konnte beginnen, sich zu verändern.
„Am Beginn der Arbeit mit der Psychologin hatte ich mit meinem Leben abgeschlossen. Ich hatte das Gefühl: Wenn es so weitergeht, halte ich das nicht mehr aus. Und am Ende der gemeinsamen Arbeit hat bei mir die Überzeugung Einzug gehalten: Das Leben ist schön. Ich habe das Potenzial, glücklich zu werden."